Weiß-Rote Galanacht 2009

Karneval : Ein bisschen Spaß muss sein

WAZ Oberhausen, 08.02.2009, Von Dirk Hein (Text)

 

Die Alte Oberhausener Karnevalsgesellschaft feiert mit reichlich Besuch vom Rhein eine weiß-rote Galanacht. Großer Applaus für knallbunte Show der AOK. Die Technik steht manchmal auf dem Schlauch.

Manchmal darf ein Seitenhieb, ein Scherz der die Obrigen kritisiert, nicht fehlen. Bei der Galanacht der Alten Oberhausener Karnevalsgesellschaft Weiß-Rot sind es die Drei Richtije, die sich nach Schunkelliedern die Bosse der Bankhäuser vorknöpfen. „Das ist ein Hit in Zeiten, in denen sich manche Leute die Taschen vollmachen”, sagen die drei Stimmungssänger. „Klüngelst du mit mir, klüngel ich mit dir” wird vom Publikum mitgesungen.

Noble Ausstattung, rot-weiße Luftballons und ein roter Teppich geleitet die Besucher an die runden Tische. Eine Mischung aus Gala und Prunk, Schlips statt roter Clownsnase – und jede Menge Tanz. In Kooperation mit den Blauen Funken rauschen kleine und große Künstler auf die Bühne der Luise-Albertz-Halle. Die Kindergarden der AOK, die Senioren der Blauen Funken. Das ist wie immer ein Augenschmaus, der nicht nur mit tänzerischer Vielfalt, sondern auch mit frischen Ideen brilliert. So erzählen die Blauen Funken bei ihrem Showtanz eine flotte Geschichte aus Tausendundeiner Nacht. Opulent kostümiert und entzückend arrangiert. Das erzeugt: Dauerapplaus!

Überhaupt ist die Reiselust ein Thema der Galanacht und gerne geht es dabei an den Rhein. Kölner Künstler gehören seither dazu. Die Cölln Girls zum Beispiel, bei denen sich mancher im Publikum wohl erklärende Untertitel wünscht. Die Show ist frech und flott – doch bei kölscher Mundart muss man genau zuhören. Also haben die vier Mädels gleich einen Anheizer im Gepäck. „Ta-Tü-Ta-Ta, die Cölln Girls sind da!”

Definitiv keine Sirene benötigt die Show des Elferrates und der Senatoren der Gesellschaft – denn die ist einsame Spitze. Die AOK schlüpft in die Rolle von Schlagersternchen, lässt Drafi Deutscher die Stimme erheben und Roland Kaiser mit „Joana” im Duett erklingen. Roberto zieht zwar nicht Blanco, dennoch: „Ein bisschen Spaß muss sein!” Wolfgang Petry trifft die Blues Brothers. Weiß-Rote stecken plötzlich in Jens Robbens RWO-Trikot. Rosen segeln auf die Bühne. Gelungen!

Davon kann sich die Technik in der Halle übrigens eine ordentliche Scheibe abschneiden. Der Akustik geht zwischenzeitlich die Luft, so dass die Gags mancher Büttenredner wie Wolfgang Reich nicht immer in der letzten Reihe ankommen.

Also benötigt man Männer, die sich ohne Elektronik Gehör verschaffen können. Das Corps der Altstädter Köln marschiert mit 102 Mann in die Halle. Karneval unplugged!

Mit Flöten und Trommeln wird der Saal kräftig aufgemischt. Schunkellieder gibt es postwendend und in den traditionellen Uniformen zaubern die Kölner ein prächtiges Bild, das Funkemariechen tanzt mit spektakulären Figuren.

Spektakuläre Figuren, die zuvor Redner Mr. Feinripp zum Besten gab. Der präsentiert seinen „Waschbrettbauch im Speckmantel” und was der geneigte Herr heute so alles drunter trägt.

Nach vier Stunden ist Schicht. Präsident Peter Klomberg schließt den Reigen: Das Tanzbein wird nun im Foyer geschwungen – bis auch hier in der späten Nacht die weiß-roten Lichter ausgehen.

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