Nur der Dom bleibt in Köln

Oberhausen, 10.10.2010, Dirk Hein

„Kölsche Tön“ in der Luise-Albertz-Halle. Foto: Hayrettin Özcan „Kölsche Tön“ in der Luise-Albertz-Halle. Foto: Hayrettin Özcan

Jede Stadt erhält den Quervergleich, den sie verdient: Wolfgang Reich musste als Conferencier beim „Fröhlichen Strauß Kölsche Tön" am Sonntagmorgen nicht lange in seiner Trickkiste kramen. „Oberhausen ist das Las Vegas von Nordrhein-Westfalen!" Der Zaubertrick: Bei der achten Ausgabe mit den Stars des Karnevals vom Rhein erweckte die Alte Oberhausener Karnevalsgesellschaft Weiß-Rot ein Hauch von Karneval bereits vor dem Beginn der Narretei.

Die Kostüme und Ordinate blieben im Schrank, Konfetti im Locher - Tusch, ja - aber kein Alaaf und Helau! Vor dem Elften im Elften gibt es eine Light-Fassung der fünften Jahreszeit. Aus praktischen Gründen, wie die Gesellschaft begründet: Während der tollen Tage sind die Top-Künstler nur schwer außerhalb von Köln zu buchen. Zudem muss das Kleingeld stimmen. Kurz vor dem Hoppeditz ist es da schon einfacher.

Mit 60 Jahren Bühnenerfahrung setzte sich Peter Raddatz gleich den Hut auf. Als „Dä Mann mit däm Hötche" sieht man den Veteran sonst eher auf der Mattscheibe. Medizinische Probleme behandelt er im Programm: „Herr Doktor, ich habe nach dem Sex ein Pfeifen im Ohr - Na und? Haben Sie etwa Applaus erwartet?"

Musikalisch servierten „Die Froende" Material für ein morgendliches Schunkel-Training. Als Coverband hatten sie es nicht allzu schwer. Das Pflücken von „Roten Rosen" fiel leicht. Der Dom blieb vorsichtshalber eh in Köln. Nur über den Austragungsort der Sause mussten sich die Gruppen wundern. „Komisch, das Ebertbad hat sich doch ziemlich verändert!" Zum Anlass ihres Jubiläums war die AOK Weiß-Rot aus dem Kleinkunsttempel in die Luise-Albertz-Halle umgezogen.

Knapp 1000 Besucher ließen sich durch die „Drei Colonias" den ersten türkischen Prinz-Karneval zeigen. Willbert Pauels hatte zur besten sonntäglichen Kirchgangzeit anschließend einen starken Auftritt. Der Diakon zieht seit Jahren als „Bergischer Jung" durch die Säle. Ein Kirchenmann als Büttenredner. Mit bedachten Pointen und gar nicht braven Spitzen erhielt der Mann mit der roten Pappnase langanhaltenden Applaus. Verdientermaßen. Er wusste, dass Humor unterschiedlich wahrgenommen wird: „Was im Rheinland normal ist, wird in Westfalen stationär behandelt." Das saß.

Manchmal gebe es wegen seines närrischen Wirkens in der Bütt besorgte Beschwerdebriefe an den Kardinal. Doch um es mit rheinischer Gelassenheit zu sagen: „Et hätt noch immer jot jejange."

 

                       

Weiß-Rote: „Wir sind Prinz"

Designierte Tollität ließ mit seinem Hofstaat einen gelben Ballon steigen. Minister Jens ist „SchachtZeichenBallonführer"

Hauptausschuss-Präsident Heiner Dehorn (li.) stellt das neue Prinzenteam der A.O.K. Weiß-Rot 1889 vor: (v.li.) Andreas Altieri,

Anke Krause, Peter Klomberg, Silke Masthoff und Jens Stürtzer.

                  

Gustav Wentz 25. Mai 2010

 

Dass auch närrisches Brauchtum Hintergrund ernster Art hat, erfuhren der Karnevalsprinz der nächsten Session, Peter (II.) Klomberg, und sein designierter Hofstaat, als sie sich am Samstag vorstellten. Das geschah nämlich mit dem Auflassen eines „SchachtZeichens“, war damit auch der Einstieg in die „Zeitreise“, die sich die jecken Repräsentanten aufs Panier geschrieben haben.                      

   Natürlich wurde auch gelacht rund um den gelben Ballon, von dem nicht wenige meinten, weiß-rot gestrichen gäbe er vor blauem Himmel doch auch ein köstliches Bild ab. Was die „weiß-roten“ Besucher unter der großen Gästeschar auf dem Betriebsgelände des Karosseriebauers Stürtzer & Ortmann gut fanden. Die kommende Tollität wurde nachdenklich: „Wenn man bedenkt, wieviele Menschen hier und an den anderen Orten vor Kohle malocht haben. Das ist schon eine große Art der Erinnerung wert.“ Für seinen „Minister“ Jens Stürtzer ist das eine besondere Erinnerung. Er ließ sich nicht nur zum „SchachtZeichenBallonführer“ ausbilden, sondern ist auch Geschäftsführer der hier seit 1972 ansässigen Firma. Seniorchef Otto Stürtzer konnte vielen erklären, dass genau hier einst die Kohlenwäsche der Zeche Roland stationiert war – auf dem unbebauten Geländestück nebenan reckte sich das Fördergerüst. Nachbarn brachten Bilder aus dem Jahre 1912, die die Situation zwischen Danziger Straße und Dümpter Kamp 2010 verdeutlichten.

Der zweite Grund des Treffens geriet dabei fast ins Hintertreffen, aber Karnevalisten können mit verqueren Lagen umgehen. „Wir sind Prinz“, fasste Heiner Dehorn zusammen, dem als Präsidenten des Hauptausschusses Groß-Oberhausener Karneval die Vorstellung des neuen Hofstaates obliegt, der aber auch Vorsitzender der Gesellschaft ist, die den Hofstaat stellt: AOK Weiß-Rot von 1889.

Für Prinz Peter II., Minister Jens Stürtzer, Hofmarschall Andreas Altieri sowie die Paginnen Anke Krause und Silke Masthoff beginnt nun die Rundreise durch die Gesellschaften und zu weiteren Unterstützern. Ihr Motto ist vielseitig verwendbar: „11 x 11 Jahre Fröhlichkeit – wir reisen durch die Narrenzeit.“         

                              

                                                    

Hochgefühl mit Tiefgang

 

Der designierte Prinz Peter II. der Alten Oberhausener Karnevalsgesellschaft Weiß-Rot 1889 startet mit einem Schachtzeichen

 

 WAZ Manfred Mühlenkamp 26.Mai 2010

 

Auf Karneval mit Tiefgang können wir uns beim designierten Stadtprinzen 2010/2011 Peter Klomberg und seinem Hofstaat freuen. Der Tiefgang zeigte sich spannenderweise in der Verbindung seiner Vorstellung mit dem Aufstieg des Schachtzeichen-Ballons auf dem früheren Gelände der Zeche Roland. Minister Jens Stürtzer hat sich eigens zur Betonung dieses Zusammenhangs zum Ballonbetreuer schulen lassen. Nun sind für den Finanzminister als Geschäftsführer,  Karosserie- und Fahrzeugbaumeister in der alteingesessenen Firma

 

>>Wir werden unsere Geschichte

nicht vergessen<<

 

 

von Vater Otto Stürtzer technische Zusammenhänge nicht wirklich ein Buch mit sieben Siegeln. Mit Hofmarschall Andreas Altieri, seines Zeichens technischer Berater, und dem Prinzen höchstpersönlich als Kundendiensttechniker konnte mit dem Ballonprojekt rein gar nichts mehr schiefgehen. Und so setzte das jung-dynamische Sympathieträgerteam ein markantes Schachtzeichen ihrer Einbettung in die Bergbaugeschichte unserer Stadt. „Wir werden unsere Geschichte nicht vergessen“, stellte der Prinz unisono mit seinen bezaubernden Paginnen Anke Krause und Silke Masthoff klar.

  Das Herrenteam war übrigens schon allein aufgrund der identischen rot-weißen Krawatten zu erkennen. Schon gut – Heiner Dehorn: Als Mann mit viel Humor und Vorsitzender der AOK Weiß-Rot 1889 wird er über den obigen kleinen Farbendreher sicher schmunzelnd hinwegsehen. Wobei man letzteres bei der auf den ersten Blick unscheinbaren Jahreszahl 1889 vor allem in diesem Jahr tunlichst vermeiden sollte. Haben die Karnevalisten dem bürgerlichen Dezimaldiktat ja ihr 11-er System entgegengesetzt. Und so sieht das närrisch geschulte Auge schnell, dass 1889 sich 2010 zum 121. Mal jährt. „Und für solche Jubiläen sind nun einmal wir als AOK Weiß-Rot zuständig“, so Dehorn selbstbewusst. Der Rückendeckung des Präsidenten des Hauptausschusses des Groß-Oberhausener Karnevals konnte er sich sicher sein. Der trägt nämlich denselben Namen wie er selbst.

Im Verein mit so einem erfahrenen Kämpen kann es für Prinz Peter Klomberg unter dem Motto: „11 x 11 Jahre Fröhlichkeit – wir reisen durch die Narrenzeit“ nur gut werden – bei genügend Kohle. Der dröge Bürgermeister Schwartz kassierte übrigens 50 Pfennig bei zu viel Frohsinn. Selbst bei verlockender Aussicht auf eine neue Einnahmequelle ist derartiges bei OB Klaus Wehling nicht angesagt.

Aus der Nachbarschaft im Rolandviertel kam prompt die erste Hilfe: Bauer von der Bey, familiär den Bergbau-wurzeln verpflichtet, spendierte ungefragt ein Superbuffet aus seiner Landfleischerei – wenn das kein gutes Startzeichen war.

 

 

Sponsoren

 

Prinzenbuch

 

Die traditionell frühe Vorstellung des Prinzenteams mag zunächst verwundern. Aber die Zeit der närrischen Fröhlichkeit bedarf eines langen Anlaufs. Nur wenn der Prinz bekannt ist, kann er rechtzeitig, z.B. auf den vielen Sommerfesten, Kontakte zu Unterstützern knüpfen. Das zum Sessionsbeginn im November vorgelegte Prinzenbuch mit den Sponsoren füllt sich schließlich nicht über Nacht. Unterstützer können sich daher schon jetzt gerne an die AOK Weiß-Rot 1889 wenden.

 

 

6. Benefiz Kart Rennen - JumboKart Werner Klasen/A.O.K. Weiß-Rot 1889 e.V.

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